Rendite entsteht in der Umsetzung, nicht im Markt
Für institutionelle Investoren rücken Selektion und Umsetzungsqualität in den Fokus. Ingo Bofinger, Geschäftsführer der Seraina Investment Foundation, erläutert, wo Value Creation im aktuellen Umfeld entsteht.
Sinkende Zinsen gelten traditionell als positiver Impuls. Nach den SNB-Zinssenkungen 2025, zuletzt im Juni auf 0 %, hat sich das Zinsumfeld entspannt. Die Inflation bleibt moderat (März 2026 rund 0,3 %), und die Angebotsmieten steigen weiter, jedoch mit geringerer Dynamik (Q1 2026 rund 0,7 %, im Jahresvergleich etwa 2,3 %).
Langfristig gewinnt die Demografie an Gewicht: Sinkende Geburtenraten und kleinere Haushaltsgrössen führen dazu, dass die Wohnungsnachfrage zunehmend strukturell und weniger durch die natürliche Bevölkerungsentwicklung getrieben wird. Günstigere Finanzierungskosten allein führen jedoch nicht automatisch zu höheren Renditen. Auch ein strukturell stabiles Nachfrageumfeld reicht nicht aus. Die Anlageklasse bleibt attraktiv, entscheidend ist die Umsetzung.
Auf der Kostenseite ist eine Normalisierung erkennbar. Nach Anstiegen seit 2020 von rund 16 % haben sich die Baukosten zuletzt stabilisiert, die jährliche Teuerung liegt aktuell bei etwa 0,2 %. Gleichzeitig zeigen jüngste Inflationsdaten, dass energiegetriebene Preisimpulse wieder zunehmen. Mittelfristig ist deshalb mit selektiven Kostensteigerungen zu rechnen.
Parallel dazu verändern sich die Quellen der Wertschöpfung. Marktgetriebene Effekte verlieren an Bedeutung, während operative Faktoren in den Vordergrund rücken. Dazu zählen ein selektiver Zugang zu Investitionen, die Wertentwicklung entlang der Projektphasen sowie eine strukturierte Steuerung mit klarer Governance. Risiken werden früh identifiziert, strukturiert und aktiv gesteuert.
Was jetzt den Unterschied macht
- Disziplinierte Investitionsentscheide in einem knappen Markt
- Wertentwicklung entlang der Projektphasen von Planung bis Realisierung
- Klare Entscheidungsstrukturen und transparente Steuerung von Qualität, Timing und Risiken
- Effiziente Prozesse und konsequente Umsetzung trotz hohem Kostenniveau
Umsetzung in der Praxis
Am Aeschenplatz in Basel wird ein Bürogebäude in ein gemischt genutztes Stadtquartier transformiert. Bis 2030 entstehen rund 200 Wohnungen sowie ergänzende Flächen. An der Hohlstrasse in Zürich konnte die Baubewilligung innerhalb von vier Monaten erlangt werden. Möglich wurde dies durch frühe Abstimmung mit Behörden und eine klare Projektkonzeption. Beide Beispiele zeigen, dass zusätzliche Renditepotenziale nicht aus dem Markt selbst entstehen, sondern aus Standortwahl, Konzept und konsequenter Umsetzung.
Ausblick
Die Rahmenbedingungen bleiben stabil, aber wenig dynamisch. Die Bedeutung von Selektion, Struktur und Umsetzung wird weiter zunehmen. Der Unterschied entsteht weniger durch das Umfeld selbst, sondern durch die Qualität der Umsetzung.